Feuer in den Alpen am 11. August 2018

«Klimawandel in den Alpen»
Die Temperaturen steigen in den Alpen doppelt so schnell wie im globalen Durchschnitt. Dies hat verschiedene Ursachen. Die Erwärmung über Landmassen ist generell grösser. In den Alpen kommen wegen der besonderen Topografie und geologischen Beschaffenheit weitere verstärkende Effekte hinzu. Problematisch sind vor allem Rückkoppelungseffekte: Je geringer und kürzer die Schnee- und Eisbedeckung, desto mehr erwärmt sich das schnee- und eisfreie Land, und desto schneller schmelzen wiederum Schnee und Eis.

Die Veränderungen durch die Klimaerwärmung zeigen sich am deutlichsten an den Gletschern. In den vergangenen Jahrzehnten schrumpften viele Alpengletscher auf teilweise weniger als die Hälfte ihrer einstigen Ausdehnung. Bis Ende Jahrhundert könnten alle Alpengletscher – bis auf wenige Ausnahmen – abgeschmolzen sein. Die Folgen des Gletscher- und Permafrostrückgangs: vermehrte Hanginstabilitäten wie Fels- und Bergstürze, in Kombination mit einer Zunahme der Starkniederschläge und Murgänge im Sommer.

Steigende Temperaturen haben auch Auswirkungen auf die immense biologische Vielfalt in den Alpen: Die Waldgrenze steigt, die Vegetationszonen verschieben sich nach Norden und nach oben. Die Verlierer sind Arten, die auf kühlere und hochalpine Lebensräume angewiesen sind. Rund 45 Prozent der alpinen Arten sind bis Ende des Jahrhunderts vom Aussterben bedroht.

Alpen sind Vorbild
Die landschaftlichen Veränderungen werfen die Frage auf, wie die Menschen in den Alpen ihr Verhältnis zur Natur gestalten. Sie müssen ihre Lebens- und Wirtschaftsweisen anpassen. Besonders gefordert durch steigende Temperaturen sind Waldwirtschaft, Landwirtschaft, Energieproduktion und Tourismus sowie durch drohende Umweltkatastrophen Verkehr und Besiedlung. Weitere wichtige Handlungsfelder sind soziale Innovation und Raumplanung.

Doch die Alpenbewohnerinnen und -bewohner sind nicht nur Leidtragende, sondern auch Verursacher der Klimaerwärmung. Sie verbrauchen pro Kopf etwa zehn Prozent mehr Energie als im europäischen Durchschnitt, dies hauptsächlich wegen der vergleichsweise längeren Verkehrswege und des regen Tourismus- und Freizeitverkehrs. Beim Verkehr ist denn auch der stärkste Zuwachs an Treibhausgasemissionen zu verzeichnen. Die zunehmende Mobilität wird das Problem weiter verschärfen.

Mag der Beitrag, den die rund 14 Millionen Alpenbewohnerinnen und -bewohner an die Reduktion des globalen CO2-Ausstosses leisten können, vergleichsweise klein sein, so ist er doch wesentlich: Die hoch entwickelte Gesellschaft in den Alpen ist ein Vorbild für viele andere Gebirgsregionen und zeichnet den Weg vor. Deshalb spielt sie eine Vorreiterrolle beim aktiven Klimaschutz.

--> CIPRA International zum Trend Klimawandel mit weiterführenden Links

 

Feuer-Infos 2018

--> Standpunkt: Füreinander brennen statt gegeneinander zündeln (Kaspar Schuler 29.08.2018)

--> Ogenj v Alpah 2018 - Povrnimo življenje gorskim jezerom (Video CIPRA Slovenija, 16.08.2018)

--> Alpenschützer: Protest mit LED-Show (Tierwelt 13.08.2018)

--> Protestanlass ohne traditionelles Mahnfeuer (1815.ch 11.08.2018)

--> Striktere Klimapolitik zum Schutz der Alpen gefordert (Nau 11.08.2018)

--> LED-Show statt Feuer (Bote der Urschweiz 10.08.2018)

--> Mit LED-Lichtern gegen den Klimawandel (SOGR 09.08.2018)

--> Feuer in den Alpen brennen wieder (ORF Kärnten 09.08.2018)

--> Feuer in den Alpen: Klimawandel in den Alpen (fairunterwegs 08.08.2018)

--> Medienmitteilung zu FidA (CIPRA Schweiz 08.08.2018)

--> Höhenfeuer im Zeichen des Klimawandels (mw 24.07.2018)

--> Feuer und Flamme für die Alpen (alpMedia-News 04.07.2018)

--> 2. Rundbrief Juni 2018

--> 1. Rundbrief April 2018

Jedes Grad Temperaturerhöhung mit fatalen Folgen
Die Alpen-Initiative, CIPRA Schweiz und Mountain Wilderness Schweiz haben am Samstag ihren traditionellen Protestanlass gegen die Zerstörung der Alpen durchgeführt, der dieses Jahr auf Pardiel ob Bad Ragaz stattfand: Die Alpenschutzorganisationen setzten im aktuellen Hitzesommer ein Zeichen gegen die Ursachen des Klimawandels.

Wie die drei Alpenschutzorganisationen auf Pardiel zeigten, sind die Alpen ein äusserst sensibles Ökosystem und leiden besonders unter der Klimaerwärmung: Die Temperaturen steigen hier doppelt so schnell an wie im globalen Durchschnitt. Der Klimawandel hat auch gesundheitliche Folgen. Für die Bevölkerung in den Alpen ist der Klimawandel durch die direkten Auswirkungen auf die Lebens- und Wirtschaftsweise und das erhöhte Risiko von Naturkatastrophen besonders stark spürbar.

«Viele Infrastrukturen sind zudem auf Permafrostböden gebaut – und diese tauen rasant schnell auf», sagte Maren Kern, Geschäftsleiterin von Mountain Wilderness Schweiz. In heissen Sommern wie diesem steige das Steinschlagrisiko massiv an. «Jedes Grad Temperaturerhöhung hat zudem fatale Folgen für die Gletscher und die stark an ihren extremen Lebensraum angepassten Pflanzen und Tiere. Es bleibt die Flucht nach oben – soweit möglich».

Aufgrund des Feuerverbots konnte auf Pardiel kein traditionelles Mahnfeuer entzündet werden: Doch wie am Pizol versammelten sich an rund 30 Orten im ganzen europäischen Alpenraum Aktivisten. Die «Feuer in den Alpen» setzen seit 30 Jahren ein Zeichen zum Schutz des einzigartigen Natur- und Kulturerbes der Alpen. «Sie sind ein Manifest zur sorgsamen und gemeinsamen, europaweit getragenen Entwicklung in den Alpen, wider die industrielle Zerstörung und den engen, nationalen Blick», sagte Kaspar Schuler, Mitbegründer «Feuer in den Alpen» und Geschäftsführer CIPRA International.

--> Die Alpen und ihre Bewohner leiden besonders unter dem Klimawandel (Alpen-Initiative 11.08.2018)