Falo Castello di Mesocco 2012


Vom Mittelalter in die Neuzeit

Von einmal 1000 Feuern zu heute 1000 Aktiven

--> Zusammenfassender Text zur Feuer in den Alpen von Stefan Grass im Bündner Tagblatt (07.07.2017)

Höhenfeuer gehen auf eine uralte Tradition zurück: Schon im Mittelalter dienten sie als Warnsysteme bei drohender Gefahr!

Das erste Widerstandsfeuer brannte 1988: «Neunundachtzig Frauen und Männer trafen sich bei strömendem Regen 1986 im Madris am ersten Alpfest zur Erhaltung des Tales. Zwei Jahre später brannten die ersten Widerstandsfeuer auf weit über 100 Bündner Alpen, aus gemeinsamer Sorge um Curciusa, Madris und alle anderen stauseebedrohten Täler. Und seither wurde an jedem zweiten Augustwochenende gefeuert.»
(Quelle: Madris-Rundbrief, 1991 im Archiv von Kaspar Schuler)

1988 wurde die Idee einer europäischen Lichterkette aufgenommen: auf Anhieb brannten Hunderte von Feuern als Zeichen des Widerstandes. Jahr für Jahr wiederholten Älplerinnen und Älpler, regionale Berggebiets-Vereinigungen, Solidaritäts- und Umweltbewegungen aus vielen Alpenstaaten, diese alpenübergreifende Aktion. Über tausend Mahnfeuer sind am Samstag 10.08.1997 auf Berggipfeln und Passhöhen des europäischen Alpenraums entfacht worden. Umweltaktivisten protestierten damit gegen die Zerstörung der Alpen.

--> Bündner Tagblatt am 11.08.1997: Über tausend Mahnfeuer

Bis zum UNO-Jahr der Berge 2002
Die durch die Höhenfeuer kommunizierten Botschaften sind alljährlich ein Spiegel der aktuellen, zu Besorgnis Anlass gebenden Problemfelder in den Alpen. Mitte der achtziger Jahre symbolisierten die Höhenfeuer unter anderem im Val Madris, Val Curciusa, Grimselgebiet, auf der Alp Bernina-Palü den Widerstand gegen die Nutzung der letzten freifliessenden Gewässer durch Pumpspeicherprojekte. Viele dieser letzten noch naturnahen Hochtäler bleiben wahrscheinlich für die kommenden Generationen erhalten. Ein Dauerbrenner ist der ständig wachsende Transitverkehr, welcher ganze Täler im Alpenraum zu ersticken droht. Ende der achtziger Jahre begannen sich in verschiedenen Alpenregionen Widerstandsgruppen zu bilden, welche sich bis heute für eine Umlagerung auf die Schiene engagieren.

CIPRA Schweiz übernimmt Organisation
Die CIPRA Schweiz hat ab 2001 die Trägerschaft und Organisation für Feuer in den Alpen übernommen. Sie kann für die Höhenfeuer auf ein alpenweites Netzwerk (CH, A, D, I, Sl, FL und F) mit zahlreichen Lokal- und Regionalgruppen zugreifen.

Auch im UNO-Jahr der Berge 2002 steht die Thematik «Transit» wieder zuoberst auf der alpenpolitischen Agenda. Viele regionale Organisatoren und Organisatorinnen von Höhenfeuern entlang den Transitrouten fordern die sofortige Umsetzung einer menschen- und umweltverträglichen Verkehrspolitik. Neben umweltpolitischen Themen werden auch Fragen der wirtschaftlichen Zukunft des Alpenraumes sowie der soziokulturellen Identität aufgeworfen. Darin drückt sich der immer mehr ins öffentliche Bewusstein rückende Gedanke der nachhaltigen Entwicklung aus, welcher auch in der Alpenkonvention berücksichtigt wird.

Kreative Rahmenprogramme wie Fackelketten, Musik von Jazz bis zu neuen Alpentönen, welche die traditionelle Volksmusik mit neuen progressiven Elementen verknüpfen, Poesie, Theater, philosophische Lesungen, Kunst, usw. thematisieren begleitend die Anliegen von Feuer in den Alpen 2002.

--> Der flammende Schriftzug "Berg frei" soll 100 Meter hoch und 400 Meter breit werden (Standard 08.08.2002)

 

2003 bis heute

Weiterhin brennen jährlich Feuer vorallem in der Schweiz, wenn auch nur noch vereinzelt immer wieder in Österreich, Deutschland, Italien und Slovenien. Es geht weniger um das «Feuern», als mehr um die Menschen im Alpenraum, die sich durch die Aktion solidarisch verbunden fühlen und bleiben. Die Symbolkraft der Feuer ist vorallem im Vordergrund, nicht das Abbrennen von Holz in «luftbelasteten Zeiten».

Seit dem Jahr 2003 treffen sich Südtiroler und Nordtiroler Bergsteigerinnen alljährlich bei „Feuer in den Alpen“ zu einem gemeinsamen Bergerlebnis, zu kulturellen Aktionen und zu kulturellem Gedankenaustausch.

Nach 2006 mit immer noch 30 Feuern, wurden im 2007 wieder gegen 40 Feuer in der Schweiz, Österreich sowie einige in Deutschland und Italien und ausnahmsweise eines in Kirgisien entfacht. Seit 1989 organisiert der Grimselverein auf dem Sidelhorn immer wieder ein Feuer.

--> Feuer des Grimselvereins 2006/2007/2009 (Jungfrau Zeitung)

Ab 2008 brennen jedes Jahr Feuer, vorallem in der Schweiz und wieder vermehrt in Österreich innerhalb eines harten Kerns, welcher die Tratition der solidarischen Feuer in den Alpen am zweiten Augustwochende weiter pflegt. Zum Beispiel seit 1994 organisiert Gerhard Leeb ein Feuer auf dem Dobratsch in Kärnten.

--> Feuer auf dem Dobratsch 2012 (ORF)

Immer wieder brennen Feuer in Bayern, Slowenien und Südtirol. Einige neue kommen in "Eigeninitiative" immer wieder dazu. Im 2014 beispielsweise mehrere Feuer in Kärnten und Friaul gegen eine Hochspannungsleitung im Grenzgebiet A/I.

--> Feuer in den Alpen 2014 gegen die Stromautobahn (youtube 2:19 Min)

Die Alpen-Initiative war von anfang an immer dabei und organisiert jedes Jahr einen gut besuchten Feuer-Event mit ReferentInnen zum Transitgüterverkehr.

--> Mahnfeuer 2015 gegen die 2. Gotthardstrassenröhre (youtube 48 Sek)

Am zweiten Augustwochenende 2016 brannten in Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien und Slowenien Höhenfeuer für einen intakten alpinen Lebensraum. Zwar nicht mehr so viele wie 2002 im UNO-Jahr der Alpen; noch immer aber sind alljährlich rund 1000 Menschen dabei.

--> Lodernder Akt der Solidarität in den Alpen 2016 (Südostschweiz)

CIPRA Slovenija macht jedes Jahr einen Feueranlass und veröffentlichte 2018 ein Video auf Slowenisch mit englischen Untertitel.

--> Ogenj v Alpah 2018 - Povrnimo življenje gorskim jezerom (youtube 3:29 Min.)

Klimakrise und Nationalismus seien die beiden grössten Bedrohungen unserer Zeit, meint Kaspar Schuler, seit Juni 2018 der neue Geschäftsführer von CIPRA International und Mitbegründer der Feuer anlässlich des 30. Jubiläums von «Feuer in den Alpen».

--> Füreinander brennen statt gegeneinander zündeln (Standpunkt 2018 in den alpMedia News)